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ausgewählte Texte gelesen von
Bernd Rauschenbach
Digipak
2 CDs, Spieldauer: 95 Min.
Kurt Schwitters, vornehmlich als Dadaist bekannt, ist nicht zu den ungebrochenen, angeblich kompromisslosen Radikalkünstlern zu zählen, sondern verkörpert eine faszinierende Mischung aus Bürger und Bohemien. Er konnte akademisch korrekte Landschaften malen und hat parallel dazu abstrakte Bilder genagelt; er hat gleichzeitig Lautpoesie und Humoresken geschrieben; er hielt in Anzug, Schlips und Kragen Vorträge, die nicht selten in Saalschlachten endeten. Er hatte Humor und nahm seine Kunst ums Leben ernst. Schwitters hob seine Kunst von Dada ab und bezeichnete sie als "Merz". Der Dadaist ist ein Terrorist, der dem Bürger die Trümmer der Kunst in die Fresse haut. Der höfliche Merz-Künstler dagegen nimmt die Trümmer des Alltags, setzt sie zu Kunst zusammen und zeigt dem Bürger: So geht´s doch auch. Schwitters erstrebte eine Durchdringung der Künste zum Gesamtkunstwerk: Wörter und Buchstaben auf seinen Bildern machen die Grenze zur Dichtung porös, Rhythmen und Tonhöhen in der Lautpoesie nähern diese der Musik an, Materialcollagen tendieren zur Plastik, Plastik wird in den Merz-Bauten zur Installation.
Viele Texte von Schwitters sind für den Vortrag geschrieben, nicht fürs stumme Lesen: der ideale Hörbuch-Autor also - von Bernd Rauschenbach, dem großen Schwitters-Kenner, eindringlich vorgetragen.
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